Gemüse-Getreide-Kraftsuppe

(c) shutterstock – marco mayer

Herbst- und Winterzeit ist Kraftsuppen-Zeit. Kraftsuppen stärken unser Qi, sie tonisieren uns Blut, unser Yin und unsere Säfte, sie bringen Wärme in unseren Körper und sie stärken unser Immunsystem. Kraftsuppen haben in der TCM eine sehr große Bedeutung. Sie werden traditionell zur Stärkung  und Kräftigung eingesetzt, zum Beispiel nach der Geburt, im Wochenbett, aber auch nach langer Krankheit oder nach schweren Operationen. Das beste an einer echten Kraftsuppe ist aber, sie schmeckt einfach hervorragend und sie bringt uns gesund durch die kalte Jahreszeit.

Was macht eine Kraftsuppe aus?

Eine Kraftsuppe wird durch die Verwendung hochwertiger Zutaten und vor allem durch die lange Kochzeit zu einer Kraftsuppe. Egal ob aus Fleisch (Hühner- oder Rindsuppe), mit Hülsenfrüchten (Linsen, Kichererbsen, Bohnen,…), mit Getreide (Gerste, Reis, Buchweizen, Hirse, Einkorn,…) oder nur aus Gemüse, Kraftsuppen werden mindestens zwei Stunden, besser aber vier bis sechs Stunden oder länger gekocht. In China gibt es Suppen, die kochen schon seit Jahren. Es werden immer frische Zutaten hinzugefügt und die Suppe kocht auf kleiner Flamme einfach immer dahin. In der chinesischen Medizin wird das lange Kochen als eine Umwandlung der Zutaten und ihrer Inhaltsstoffe in Energie verstanden – Nahrungsmittel werden zu Qi. Ja, in der TCM haben auch die verschiedenen Kochmethoden eine Wirkung.

Rezept für eine Gemüse-Getreide-Kraftsuppe

Zutaten:

Wurzelgemüse (Karotten, Sellerie – als Stange oder Knolle, Pastinaken, Petersilienwurzel, Rote Rüben,…)
Gemüse der Saison (momentan zum Beispiel Kürbis, Kohlrabi, Spinat,…)
Zwiebeln, Lauch
1-2 Ingwerscheiben
1-2 Lorbeerblätter
5 Wacholderbeeren
Petersilie, Liebstöckel, Thymian
1-2 Handvoll Einkorn
3-4 Datteln
3-4 EL wertvolles Öl
1 Prise Kurkuma
Salz

Zubereitung:

Wähle Dein Lieblingswurzel- und Saisongemüse aus. Ich verwende nur Bio-Zutaten und aus diesem Grund schäle ich eigentlich nichts. Ich wasche alles gründlich und schneide alle Gemüsearten in grobe Stücke. Danach röste ich das Gemüse in einem wertvollen Öl, zB. Oliven-, Raps- oder Sonnenblumenöl von guter Qualität, kurz an und gieße es mit heißem Wasser aus dem Wasserkocher auf. Ich gebe soviel Wasser in den Topf, dass die Zutaten gut 5 cm bedeckt sind. Dann gebe ich das Getreide und alle Gewürze und Kräuter (bis auf das Salz) dazu, bringe das ganze zum Kochen und stelle die Herdplatte auf die kleinste Stufe- Und so bleibt es dann für ca. 4-6 Stunden oder auch mal über Nacht. Wenn zu viel Wasser verdunstet ist, gebe ich am Ende noch etwas heißes Wasser aus dem Wasserkocher dazu und lasse die Suppe noch eine halbe Stunde weiterköcheln.

Im Gemüse und dem Getreide ist nach dieser langen Kochzeit nichts mehr drinnen, aus diesem Grund seihe ich das Gemüse ab und werfe es meistens weg. Ich habe verschieden Arten versucht, es noch zu verwerten und die einzige, die ich empfehlen würde, ist, das Gemüse zu pürieren und mit frischen Getreideflocken, Kräutern, einem Ei und Gewürzen zu Bratlingen zu verarbeiten. Dabei fungieren die frischen Getreideflocken als Nährstofflieferant, das leere Gemüse nur als Trägermasse. Die Laibchen schmecken gut und ich fühle mich einfach besser, wenn ich nichts wegwerfen muss. Alle wertvollen Inhaltsstoffe sind jedoch in der wundervollen Gemüsebrühe enthalten, das sollte mensch im Hinterkopf behalten.

Aufbewahrung und Verwendung:

Ich salze die Kraftsuppe immer erst bei Verwendung. Das heißt, ich bewahre die Brühe im Kühlschrank in Schraubgläsern auf (heiß abgefüllt und ungesalzen). So hält sie sich wunderbar mindestens 2 Wochen. Zur Verwendung kommt immer nur die Portion, die ich gerade benötige – um eine gute Brühe mit frischem Gemüse und Reis zu essen, um eine Sauce anzugießen oder um ein Risotto zu kochen. Die Kraftsuppe kommt so ziemlich überall zum Einsatz.

Ich würde übrigens die Verwendung von biologischen Zutaten immer, in diesem Fall aber besonders, empfehlen, denn durch die lange Kochzeit löst sich so ziemlich alles aus den Zutaten und wir wollen in der wertvollen Essenz am Ende doch keine Pestizid-Rückstände haben.

Wirkung nach TCM:

Einkorn ist thermisch neutral und gehört zum Funktionskreis Holz. Da Einkorn eine Weizenart ist, sind seine Eigenschaften ähnlich. Er stärkt das Qi und tonisiert Blut, Säfte und Yin.

Wurzelgemüse kommt aus der und gehört so auch zur Erde. Es ist thermisch neutral bis wärmend und stärkt unsere Mitte. Wurzelgemüse schenkt uns Bodenhaftung und Erdung. Karotten stärken zB. das Milz-Qi, harmonisieren das Leber-Qi und klären die Sicht. Sellerie gehört nicht nur zur Erde sondern auch zum Feuer. Er besänftigt die Leber-Aktivität, trocknet Feuchtigkeit, vertreibt Wind und stärkt den Magen.

Zwiebeln gehören vor allem zum Metallelement. Sie wirken wärmend (roh sind sie wärmer als gegart) und sollten daher bei Hitzeerscheinungen (Ausschläge, Schlafstörungen, Unruhe, Sodbrennen,…) mit Vorsicht genossen werden. Sie haben aber auch ganz wundervolle therapeutische Eigenschaften. So helfen sie zum Beispiel Schleim aufzulösen und zu transformieren. Sie tonisieren und bewegen das Qi und vertreiben Wind-Kälte (beginnende Erkältungen, klare und durchsichtige Sekrete bei Husten und Schnupfen).

Lauch gehört durch den scharfen Geschmack ebenfalls hauptsächlich zum Metallelement und wirkt wie alle Lauch (Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Schnittlauch,…) ebenfalls erwärmend. Auch hier gilt, Vorsicht bei Hitzesymptomen (siehe Zwiebeln). Lauch wirkt tonisierend auf das Yang, er transformiert und löst ebenfalls Schleim und Nässe auf, er reguliert und bewegt das Qi und er vertreibt auch Wind-Kälte.

Datteln gehören zum Element Erde wirken thermisch neutral. Vor allem der chinesischen roten Dattel werden starke Heilkräfte nachgesagt, diese gibt’s im Asialaden und in Apotheken mit TCM-Abteilung zu kaufen, was ich besser finde, weil ich weiß, dass sie auf Schadstoffe u.ä. streng kontrolliert wurden). Sie werden in Suppen und Tees mitgekocht und stärken das Qi der Mitte. Datteln (auch die im normalen Geschäft erhältlichen) kommen vor allem bei Blutmangel zum Einsatz. Sie helfen nach Erkranken beim Wiederaufbau von Kraft und Abwehr-Qi und sind in der Schwangerschaft und nach der Geburt ein wichtiges Bluttonikum.

Lorbeer gehört ebenfalls zum Metallelement und wirkt wärmend. Er tonisiert das Qi, bewegt das Blut und beruhigt den Shen, unseren Geist. Er stärkt unsere Lebensenergie und wirkt zB. menstruationsfördernd und blähungs- und gärungswidrig.

Ingwer gehört durch seinen scharfen Geschmack ganz klar zum Funktionskreis Metall und ist thermisch warm (frisch) bis heiß (getrocknet). Er befreit die Oberfläche (was bei beginnenden Infekten schnell helfen kann, um den Erreger aus dem Körper zu bekommen, bevor er wirklich Schaden anrichtet), wirkt schweißtreibend, wärmt die Mitte und beseitigt Blutstagnation. Frischer Ingwer wärmt die Lunge und vertreibt Wind-Kälte, er wirkt hustenstillend und wandelt Schleim um. Getrockneter Ingwer sollte nur sehr vorsichtig und selten zum Einsatz kommen, außer zB. bei Magenschmerzen in Folge von Kälte. Ingwer ist das Allround-Mittel bei Übelkeit (egal ob bei Reise, Schwangerschaft oder sogar durch Chemotherapie).

Petersilie ist dem Holz zugeordnet und von der Thermik her warm. Sie tonisiert und bewegt das Blut, löst Nässe auf und wärmt das Yang und sie tonisiert das Milz-Qi (sie hilft also auch unserer Mitte).

Liebstöckel oder auch Maggikraut wird den Elementen Wasser und Erde zugeordnet. Bei diesem beliebten Gewürz (vor allem in Suppen) haben sowohl Blätter als auch Wurzel eine starke Wirkung. Liebstöckel tonisiert, reguliert und bewegt das Qi. Es wärmt unser Verdauungsfeuer, löst Nässe auf und wärmt das Yang. Nicht zuletzt dadurch sagt man ihm auch eine aphrodisierende Wirkung nach. Darüber hinaus vertreibt Liebstöckel auch Wind-Kälte, hilft aber auch Hitze-Nässe (zB. bei Rheuma) zu reduzieren.

Thymian (getrocknet) gehört zu den Elementen Metall und Feuer. Er wirkt thermisch wärmend und durch seine beiden Geschmäcker (scharf und bitter) bewegend und trocknend. Er hilft bei Kälte und Feuchtigkeit, wirkt entkrampfend und schleimlösend (v.a. bei schleimigem Husten), karminativ (entblähend, verdauungsfördernd) und er steigert unsere Libido :).

Wacholderbeeren sind vor allem dem Element Wasser zugeordnet und wirken stark wärmend. Sie gelten als wahres Yang-Tonikum und helfen so bei zuviel Kälte in den Nieren (ständig kalte Füße, eventuell chronische Blasenentzündungen, kalter unterer Rücken,…). Sie fachen auch unser Verdauungsfeuer an und helfen so bei Durchfall, Blähungen und anderen Verdauungsbeschwerden. Und Wacholderbeeren wirken auf unser Immunsystem, unser Abwehr-Qi (Wei-Qi). Sie vertreiben Wind-Kälte. Schleim und ein Zuviel an Feuchtigkeit werden aufgelöst und transformiert. Außerdem tonisieren, regulieren und bewegen sie das Qi.

Kurkuma ist dem Element Feuer zugeordnet und thermisch warm. Er wirkt vor allem auf Leber und Herz, da er als blutreinigend gilt und den Shen, den Geist, der im Herzen wohnt, beruhigt. Er wirkt entzündungshemmend gilt, bewegt und reguliert das Qi (wirkt gegen Leber-Qi-Stagnation).

Salz ist dem Element Wasser zugeordnet und wirkt thermisch richtig kalt. Es dient zur Absenkung, kühlt das Blut und erweicht Verhärtungen (Schleimbelastungen im Brust- und Bauchbereich). Außerdem stützt es in Maßen (!) die Niere.

Facebooktwittermail

Post navigation

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.