Wetterfühligkeit

WetterfühligkeitEigentlich ist das ja ein Thema für das Frühjahr, oder? Normalerweise würde ich eindeutig mit einem JA auf diese Frage antworten. Heuer schwanken aber auch im Hochsommer die Temperaturen ungewöhnlich häufig, Sonnenschein wechselt sich mit starken Gewittern ab und/oder der Wind bläst uns ordentlich um die Ohren. Da kann das stabilste Leber-Qi nicht dagegenhalten. Und genau um dieses Leber-Qi geht es bei Wetterfühligkeit häufig.

Das Holz, die Leber und das Wetter

In der TCM spricht man immer wieder von Typen. Zum einen gibt es die Konstitutionstypen. Da geht es um Yin und Yang (also ist genug von beidem da oder herrscht von einem davon ein Überschuss), um Kälte oder Hitze (friert man leicht oder leidet man eher unter Hitzewallungen) und um Feuchtigkeit oder Trockenheit. Zum anderen gibt es aber auch die Typen nach den Elementen. In der TCM gibt es ja 5 Elemente, die Wandlungsphasen.

Unter Wetterfühligkeit leiden zwar nicht nur aber häufig die sogenannten Holz-Typen. Denn dem Holzelement werden die Organe Leber und Gallenblase zugeordnet. Und die Hauptaufgabe der Leber ist es der TCM zufolge, für einen harmonischen und stabilen Qi-Fluss im ganzen Körper zu sorgen. Das Leber-Qi unterstützt zB. das Milz-Qi beim Auf- und das Magen-Qi beim Absteigen (Verdauungsvorgang). Es sorgt auch für einen gleichmäßigen Qi-Fluss in den Gedärmen und in der Gebärmutter.

Stagniert dieses Leber-Qi kommt es zu typischen Symptomen wie Gereiztheit, Wutausbrüchen, Frustration, Spannungsgefühlen in der Muskulatur, ständiges Räuspern (Kloßgefühl im Hals), Rippenbogenschmerzen (rechts), bei Frauen PMS, Kopfschmerzen und anderen Anzeichen. Ein aussagekräftiges Symptom ist aber eben auch die Wetterfühligkeit. Meist kommt es bei einer Wetterfühligkeit durch Leber-Qi-Stagnation vorwiegend zu Nackenverspannungen, Kopf- und Schulterschmerzen.

Oft tritt diese Leber-Qi-Stagnation gemeinsam mit einem Blutmangel auf. Dann kommen auch noch Anzeichen wie rissige Nägel, trockene Haut und/oder Haare, Müdigkeit, Sehnenprobleme, Wadenkrämpfe (häufig nachts und in der Wade oder den Zehen) und Schwindel dazu. Oder die Leber-Qi-Stagnation entlädt sich in einem aufsteigendem Leber-Yang, das zeigt sich durch plötzliche Wutausbrüche, rote Augen, starke pochende Kopfschmerzen in der Schläfenregion oder hinter und/oder über den Augen, Ohrensausen oder sogar Tinnitus/Hörsturz und plötzlichen Drehschwindel.

Oft ist das Wetter bei schon bestehenden Ungleichgewichten nur das Zünglein an der Waage, dass es zu einem oder mehreren Symptomen kommt. Es müssen übrigens jeweils nicht alle Symptome auftreten. Manchmal tritt nur einiges davon gleichzeitig oder auch nacheinander auf. Wenn Sie sich unsicher sind, was auf Sie zutrifft, nehmen Sie Hilfe bei einer/einem TCM-ErnährungsberaterIn oder TCM-Arzt/Ärztin in Anspruch. Sind die Symptome jedoch eindeutig, kommen jetzt ein paar Vorschläge zur Selbsthilfe für Sie.

Tipps zur Selbsthilfe

  • Bei Leber-Qi-Stagnation:
    > Stangensellerie- oder Chrysanthemenblütentee trinken (gemeint sind chinesische Chrysanthemen, erhältlich in der Apotheke, bitte nicht die heimischen Blüten aufgießen – sie sind giftig!)
    > Bewegung (laufen, spazierengehen, Yoga, Qi Gong, tanzen… erlaubt ist, was gefällt und am allerbesten wirkt Bewegung in der Natur)
    > übrigens bei Kopfschmerzen durch Leber-Qi-Stagnation kann auch Sex sehr wirksam sein 😉
  • Bei Leber-Qi-Stagnation und Blut-Mangel:
    > Tee aus Goji-Beeren und/oder Angelikawurzel (chin.: Dang Gui) trinken
    > regelmäßig viel und gut schlafen, vor Mitternacht (auch Mittagsschlaf und regelmäßige Ruhepausen helfen Blut aufzubauen)
    > Bildschirmarbeit und Fernsehen reduzieren (vor allem vor dem Schlafen gehen – dazu gehört übrigens auch das Smartphone)
    > mehr gekochte, gedünstete, geschmorte Mahlzeiten
    > regelmäßig rote Rübe, Rindfleisch, Beeren, Brokkoli, Spinat, Datteln und Petersilie in den Speiseplan mit aufnehmen
  • Bei Leber-Qi-Stagnation und aufsteigendem Leber-Yang:
    > Tee aus Melisse, Passionsblume und/oder Löwenzahn trinken
    > erhitzende und trocknende Gewürze wie Chili, Pfeffer, Zimt, Nelken, Ingwer strikt vermeiden
    > ebenso auf Alkohol (vor allem hochprozentigen), Kaffee und Energydrinks verzichten
    > erfrischende und kühlende Lebensmittel wie Gurke, Zucchini, Blattsalate und generell Rohkost in den Speiseplan einbauen (wenn es die Verdauung zulässt, ansonsten erfrischende und kühlende Zutaten sanft garen)

Bei all diesen Ungleichgewichten lohnt es sich, einen Blick auf die Lebenssituation zu werfen. Leber-Muster hängen oft mit übermäßigem Stress und/oder unterdrückten Emotionen zusammen. Wenn man die Situation im Augenblick nicht verändern kann, ist es zumindest schon mal hilfreich, sich ihrer bewusst zu sein. Oft eröffnen sich dann schon neue Wege oder es gelingt, mit kleinen Anpassungen etwas Erleichterung zu schaffen.

Bei Wetterfühligkeit kann es ebenfalls hilfreich sein, darauf zu achten, ausreichend zu trinken. Die richtige Trinkmenge ist allerdings sehr individuell – je nach körperlicher Aktivität, Wetter und innerer Hitze oder auch Feuchtigkeit. Einen Versuch ist es allemal wert, die Trinkmenge etwas zu erhöhen.

Und ein letzter Tipp: Wind in Form von Zugluft oder auch Klimaanlagen vermeiden. Ein Halstuch kann hier schon sehr hilfreich sein!

Wenn Sie nicht sicher sind, wo der Ursprung Ihres Leber-Musters liegt und wo Ihre Wetterfühligkeit herkommt, treten Sie einfach mit mir in Kontakt (via Telefon, E-Mail oder auch über Facebook). Ich bin Ihnen gerne behilflich.

 

facebooktwittergoogle_plusmail

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *